Aerial view of european town. Houses in beautiful residential neighbourhood during summer season in Finland. Luftaufnahme einer europäischen Stadt. Häuser in einem schönen Wohnviertel während der Sommersaison in Finnland. Lizenziert am 08.09.2025 in einer KONZERN-Lizenz für ST-W ID-2658 | Studie Die GRW neu denken: Proaktive Industriepolitik für Deutschlands Regionen
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27. März 2026

Nachhaltigkeit lokal und regional umsetzen: Analyse lokaler und regionaler Berichte in Deutschland zur Umsetzung der Agenda 2030, SDG 11 und der New Urban Agenda

Ein Beitrag von Dr. André Müller (BBSR), Julian Palumbo (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg), Antonia Milbert (BBSR), Dr. Andrea Jonas (BBSR) und Oliver Peters (Difu)

37 lokal-regionale Selbstanalysen sprechen eine eindeutige Sprache: Gemeinden, Städte und Kreise unterschiedlicher Größe und geographischer Lage in Deutschland setzen die in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen und der New Urban Agenda verankerten Ziele bereits erfolgreich um. Sie nutzen dazu das Format der Voluntary Local Reviews und Nachhaltigkeitsberichte. Beide Formate bieten Kommunen die Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeitspfade und ihr Engagement zu analysieren. Sie nutzen dazu leitbildorientierte sowie datenbasierte Ansätze, verknüpfen die Analyse mit ihrer Bauleitplanung sowie konkreten Projekten des Städtebaus und binden ihre Bürgerinnen und Bürger in Analyse und Planung ein. Die kommunale Berichterstattung ist zudem größtenteils ebenenkompatibel; das heißt sie kann in vielen Fällen sowohl auf lokal-regionaler als auch auf nationaler Ebene für weitere Berichtsformate verwendet werden.

Klimaschutz und bezahlbarer Wohnraum in vielen Kommunen Schwerpunkte von SDG 11

Die thematischen Schwerpunkte des Sustainable Development Goal (SDG) 11 – Inklusion, Sicherheit, Resilienz und Nachhaltigkeit – werden unterschiedlich stark in der Arbeit von Gemeinden, Städten und Kreisen in Deutschland abgebildet. So sind in 73 % der 37 Berichte die Förderung bezahlbaren Wohnraums und die inklusive Quartiersentwicklung sowie in 54 % der Berichte eine inklusive Mobilität von vorrangiger Bedeutung. Die Verbesserung der Verkehrssicherheit wird in 65 % der Berichte genannt. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und des Katastrophenschutzes bestimmen 70 % der Berichte. In je 92 % der 37 Berichte nehmen der Umwelt- und Klimaschutz sowie die Unterstützung einer emissionsarmen und umweltfreundlichen Mobilität eine wichtige Rolle ein. In 59 % der Berichte steht eine ausgewogene Siedlungs- und Freiraumentwicklung im Vordergrund.

SDG-Indikatoren der Arbeitsgruppe „Nachhaltige Kommunen“ mehrheitlich genutzt

SDG 11 zeichnet sich durch eine Reihe von untergeordneten Zielen aus. Gemeinden, Städte und Kreise beziehen sich in der Anwendung von Indikatoren und Daten zur frühzeitigen und evidenzbasierten Bewertung von Lebensbedingungen zumeist auf die Unterziele 11.1 „Zugang zu angemessenem, sicherem und bezahlbarem Wohnraum und zur Grundversorgung für alle“, 11.2 „Zugang zu sicheren, bezahlbaren, zugänglichen und nachhaltigen Verkehrssystemen“ und 11.3 „Verstädterung inklusiver und nachhaltiger gestalten“. Obwohl Kommunen aufgrund ihrer örtlichen Belange teilweise die Indikatoren unterschiedlich definieren und erfassen, trägt die Orientierung an dem Baukastenprinzip des SDG-Indikatorensets der Arbeitsgruppe „Nachhaltige Kommunen“ zur weitestgehenden Sicherstellung der Kompatibilität in vertikaler sowie horizontaler Ausrichtung bei. Beispiele hierfür sind die Analyse der Wohnraumbereitstellung mit erneuerbarer Heizenergie, die Angebote nachhaltiger Verkehre und die Erreichbarkeit von Naherholungsflächen. Datenquellen sind amtliche Statistiken des Bundes und der Bundesländer sowie eigene Erhebungen. Kleine Fortschritte erzielen oftmals eine große Wirkung. Damit setzt sich vor Ort die überwiegende Ebenenkompatibilität der 37 lokal-regionalen Selbstanalysen fort. Dennoch gilt es, Kompetenzen in diesem Bereich kontinuierlich weiterzuentwickeln und konsequent auszubauen.

Von der Analyse über die Bauleitplanung zu konkreten Projekten

Fallbeispiele aus Großstädten, Mittelstädten, Kleinstädten und Landgemeinden sowie Landkreisen und Kommunalverbänden zeigen, dass der Weg von der Analyse über die Bauleitplanung zum konkreten Bauprojekt oftmals nicht weit ist. Kommunen bekämpfen beispielsweise grenzüberschreitend die Folgen des Klimawandels insbesondere in ihren Wohngebieten, dämmen ihren Flächenverbrauch ein, leisten mit entsprechenden Angeboten generationenübergreifend einen Beitrag zur inklusiven gesellschaftlichen Entwicklung, stellen etwa Seniorinnen und Senioren mit Hilfe von Silver Maps spezielle Unterstützungsleistungen zur Verfügung und schaffen insgesamt lebenswerte Räume für Bürgerinnen und Bürger.

Die Analyse verdeutlicht auch, dass neben den vielen guten Ansätzen Potenziale teilweise noch nicht voll ausgeschöpft werden. Insbesondere kommunale Haushalte bedürfen oftmals noch der Ausrichtung an Nachhaltigkeitskriterien. Erste Erfolge wurden bereits erzielt, weitere Vorbildkommunen folgen. In anderen Ländern Europas, wie etwa in den Nordischen Ländern, ist Nachhaltigkeit in Teilen bereits ein integraler Bestandteil der Arbeit von Gemeinden, Städten und Kreisen.

Zur Veröffentlichung der BBSR-Online-Publikation 11/2026.
Nachhaltigkeit lokal und regional umsetzen:
Analyse lokaler und regionaler Berichte in Deutschland zur Umsetzung der Agenda 2030, SDG 11 und der New Urban Agenda

https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/bbsr-online/2026/bbsr-online-11-2026.html

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